Seerose

Naturheilpraxis Christian Reichard

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Der wundersame Hundezahn

Es war einmal eine alte Frau, deren Sohn sich den Unterhalt mit Tauschgeschäften in Indien und Tibet verdiente. Der junge Mann wollte sich gerade wieder einer Karawane von Indienreisenden anschließen, als seine Mutter sich mit folgender Bitte an ihn wandte: »Bodh Gaya ist der Ort, an dem der Buddha Gautama Siddharta erleuchtet wurde, deshalb bitte ich dich, mir etwas aus Bodh Gaya (in Indien) mitzubringen. Eine kleine Reliquie vielleicht oder einen Talisman, den ich auf meinen Altar legen und als materielle Repräsentation des Buddhas verehren kann.«
Jahrein, jahraus wiederholte die alte Mutter ihre Bitte, doch der Sohn kam unverrichteter Dinge von jeder Indienreise nach Tibet zurück.
Eines Tages machte der Sohn sich wieder einmal bereit, in das ferne Indien zu ziehen, als die Mutter sagte: »Wenn du diesmal ohne eine Reliquie für meinen Altar aus Bodh Gaya zurückkehrst, bringe ich mich vor deinen Augen ums Leben!«
Schockiert von der Intensität, mit der die Mutter diese Worte ausgesprochen hatte, gelobte der Sohn, ihr den Herzenswunsch dieses Mal unfehlbar zu erfüllen.
Nach vielen Monaten hatte er seine Handelsgeschäfte verrichtet und befand sich schon auf dem Weg zum Hause seiner alten Mutter, als ihm plötzlich einfiel, daß er auch dieses Mal vergessen hatte, ihr eine Reliquie aus Bodh Gaya mitzubringen.
»Was soll ich machen?" fragte er sich selbst. »Wie ich meine Mutter kenne, bringt sie sich tatsächlich vor meinen Augen um, wenn ich ihr nicht irgend etwas mitbringe.«
Suchend blickte er sich um und sah den vertrockneten Leichnam eines Hundes nicht weit entfernt im Gestrüpp liegen. Hastig brach er dem Hundeschädel einen Zahn heraus und wickelte diesen in ein indisches Seidentuch.
Im Haus seiner Mutter angekommen, präsentierte er dieses Geschenk. »Das ist ein echter Schneidezahn von Gautama Buddha«, erklärte er feierlich. »Ich habe ihn eigens aus den wenigen noch erhältlichen Reliquien in Bodh Gaya für dich ausgewählt«.
Die gute alte Frau glaubte ihrem Sohn und verehrte den Zahn, als sei er eine wahrhaftige Verkörperung des Geistes von Gautama dem Vollkommenen Buddha. Von Stund` an vertiefte sie sich so rückhaltlos in ihre Hingabe an den Hundezahn, daß es nicht lange dauerte, bis sie den inneren Frieden fand, nach dem sie ihr Leben lang gesucht hatte.
Es dauerte ebenfalls nicht lange, da sahen auch die Nachbarn und Freunde, daß ein sanftes Regenbogenlicht den Zahn umgab und kaum merkliche Lichtperlen in der Luft um ihn schwebten. Jeden Tag fanden sich nun mehr Leute am Altar der alten Dame ein und wollten die zarte Energie des Zahnes in sich aufnehmen. Als die alte Frau starb, war sie von Regenbogenlichtern umgeben, und ihr Lächeln verriet dem weinenden Sohn, daß sie heimgegangen war in den Urgrund, aus dem alle Dinge kommen.
Seither heißt es, daß jeder simple Hundezahn zur heiligen Reliquie werden kann, aber nur, wenn die Kraft eines empfänglichen Herzens und die Liebe eines Buddhas über diesen Zahn zusammenkommen.

(aus Tibet)

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