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Christel Klinger / Dr. med. Johannes Wiedemann “Krankheit ist der Arzt, auf den wir am ehesten hören. Der Güte und der Weisheit gegenüber machen wir nur Versprechungen, dem Schmerz aber gehorchen wir,” wusste Marcel Proust aus eigenem Erleben zu schreiben. Zwölf bis fünfzehn Millionen Menschen leiden allein in Deutschland schon unter chronischen Schmerzen, mindestens ein Drittel davon ist schwer betroffen. Ihr Schmerz hat sich verselbstständigt und wird zu einer eigenständigen Erkrankung. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass neben speziellen schmerztherapeutischen Maßnahmen auch eine Veränderung in der eigenen Schmerzwahrnehmung und vor allem im Verhalten dem eigenen Schmerz gegenüber nötig ist. Das liebevoll ausgestattete Buch wendet sich vor allem an den betroffenen Schmerzpatienten selbst. Hier wird nicht über Krankheiten und anonymes, statitisch relevantes Krankengut doziert, sondern der geneigte Leser wird direkt angesprochen. In medizinischer Fachliteratur stellt dies doch eher ein Novum dar, was aber nicht heißen soll, dass motivierte Therapeuten nicht besonders reichen Nutzen aus der Lektüre ziehen könnten, ganz im Gegenteil: ein hervorragendes Buch für Laien und Fachleute. Schritt für Schritt geleiten die beiden Autoren den Leser in ein Terrain, an dessen Eintrittspforte “tua res agitur” stehen dürfte: hier geht es nur um Dich, um Deine Sache, um Deinen persönlichen Schmerz und seine Bedeutung für Dein Leben. Grundsätzliches und fachspezifische Begriffe rund um Psychosomatik und moderne Schmerztherapie bilden den Auftakt - immer spannend zu lesen, nie abschweifend in spekulative Akademik oder trockenes Fachchinesisch; stilistisch ein besonderes Lesevergnügen, obwohl und weil die individuelle Ausdrucksnote der Autoren immer gegenwärtig bleibt. Wir gelangen schnell zu jenem Vertrauen dem Inhalt eines Buches gegenüber, dass hier wirklich praktisch erworbenes Wissen und Können kompetent weitergetragen wird. Wir werden berührt: ja, Du selbst kannst etwas beitragen, durch das Labyrinth der Isolation und Leidenserfahrung zu jenem Punkt vordringen, von dem aus Krankheit und Heilung geboren werden - ich bin demnach nicht gänzlich ohnmächtig meinem Schmerz gegenüber! Ich bin der Demiurg meines Leidens und auch zugleich dessen Überwinder: das macht positive Hoffnung, gibt Mut und damit Lust, weiterzulesen, um schließlich einzutauchen in den praxisbezogenen Teil, aufzubrechen zu einer abenteuerlichen Reise durch und zu mir selbst. Auf diesem Pfad durch die Persona, die fixierte Maske unseres scheinbaren Ichs entdecken wir allmählich mithilfe achtsamer Introspektion die verschiedensten Seelenanteile, das innere Orchester, welches “gewöhnlich im Halbdunkel die Stücke seiner Wahl spielt.”(Klinger/Wiedemann) Wir lernen weiter durch liebevolle Zuwendung jedem einzelnen “Musiker” gegenüber die förderlichen und hindernden Stimmen kennen und gewinnen sie zu Helfern und Ratgeber. Facetten einer inneren Umgestaltung tun sich auf - denn Schmerz will Wandlung. Soweit der theoretische Teil des Werkes. Der praktische Teil des Buches bietet ein breites Panorama von Anleitungen, die im Alltag umgesetzt werden wollen. Am Anfang die wichtigste Reisevorbereitung, das Anlegen eines Reistagebuches, gefolgt von einer Fülle von Meditationsangeboten in den verschiedensten Lebenssituationen, Atem-Achtsamkeitsanleitungen, Übungen zu Bilderwelten, Collagengestaltungen Schmerzmeditationen und so fort - immer einleutend, warum das getan werden sollte: der Leser spürt sofort, dass hier tragfähige Wegweiser aufgestellt wurden. Doch lesen und erfahren Sie es selbst. Ich selbst habe das Buch mit sehr großen Gewinn gelesen - als Therapeut und für mich selbst, ich habe ein gewandeltes Verständnis meinen Schmerzpatienten und mir selbst gegenüber gewonnen, denn “Heilen bedeutet, mit Liebe zu berühren, was wir zuerst mit Angst berührten.” (Stephen Levine) Christian Reichard |