| Yan d'Albert, Das spirituelle Songbook. Die Heilkraft des Singens. Windpferd-Verlag 1996, 191 Seiten, DM 24,80 Bekanntlich
findet Heilung von Krankheit und Leiden auch jenseits von therapeutischen
Eingriffen und Maßnahmen statt. Eine behandlerunabhängige
Größe ist hierbei die Musik. Musik kann heilen, denn Musik
ist Ausdruck von harmonikaler Ordnung - so wie Krankheit Ausdruck von
Disharmonie darstellt. Doch nicht jedes Musikstück ist gleichermaßen
hierfür geeignet, besonders nicht der amerikanisch inspirierte
musikalische Unterhaltungsmüll. Jedoch ganz besonders ist die grandiose
Bach'sche Musik hörbar gewordene Weltenharmonik cum laudate Domine
und besonders prädestiniert, seelische Disharmonien auszugleichen.
Nun - mehr für den musikalisch-therapeutischen Alltag eignet sich
vielleicht das kleine Songbook von Yan d'Albert mit schönen
und eingängigen spirituellen Melodien. Singen, lebendiges gemeinsame
Singen befreit die Seele, läßt uns wieder erahnen, daß
wir Menschen Wesen der Freude sein können und sollen. In dem Büchlein
werden bekannte und vorwiegend unbekanntere Lieder vorgestellt: innige
religiöse Weisen aus der chassidisch-jüdischen, islamischen,
indianischen Tradition sowie bezaubernde indische Kirtans, gottesergebene
Gospels der versklavten Afro-Amerikaner und keltische ebenso wie mittelalterliche
Lieder über Freude, Liebe und Dank. Sehr angenehm sind die einfachen
und spielbaren Griffnotationen für Gitarre, die Texte werden ins
Deutsche übersetzt und bei manchem Lied steht auch noch seine „Indikation"
dabei (Wirkung: Tiefer Seelenfriede, Heilung). Beginnt der Interessierte,
diese Weisen zu singen, so senken sich die trunkenmachenden Melodien
allmählich in die Seele des Singenden, er wird nach und nach eins
mit der Harmonie der Melodie und dem gesungenen Wort. Doch wem das zu
spirituell erscheinen mag, der darf getrost das Lied „Chume, chum, geselle
min" aus der Carmina Burana (13. Jhd.) trällern, dessen Text ganz
bestimmt heilsame Energien hervorzaubern wird: „Komm, komm doch, mein
Geliebter, ich erwarte dich mit Sehnsucht. Du süßer, rosenfarbiger
Mund, komm und mache mich gesund." |